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Meet the Team – Von einer Grosskanzlei zum Inhouse Counsel

Meet the Team – Von einer Grosskanzlei zum Inhouse Counsel

Unser Hiring Partner, Tino Gaberthüel, führt in dieser Ausgabe ein Gespräch mit Sandra Lathion-Zweifel, Markus Schaffner und Alex Wille, welche alle ihren Berufs-einstieg bei Lenz & Staehelin lancierten. Im Interview geht es um Themen wie gesam-melte Erfahrungen, unterschiedliche Karrierewege und Erinnerungen an ihre Zeit bei Lenz & Staehelin.

Published: 18 April 2023

PEOPLE
Partner, Head of Corporate and M&A, Co-Head of Capital Markets
Published: 18 April 2023
PEOPLE

Tino Gaberthüel

Partner, Head of Corporate and M&A, Co-Head of Capital Markets, Corporate and M&A, Capital Markets, Banking and Finance, Commercial and Contracts

Ich freue mich, dass ihr heute zu uns an die Brandschenkestrasse gekommen seid. Wie lange ist es her, seit ihr von Lenz & Staehelin weggegangen seid?

Sandra Ich verliess Lenz & Staehelin Zürich im Jahr 2010 und kehrte 2018 für ein Jahr als Counsel in das Genfer Büro zurück. Angefangen hatte ich bereits als Substitutin im M&A Bereich bei Rudolf Tschäni in Zürich und habe auch die ganzen Jahre als Anwältin im M&A Team verbracht. Während meiner Zeit im Genfer Büro war ich dann im Banking & Finance Team tätig, dies, weil ich mich in der Zwischenzeit beruflich weiterentwickelt hatte.

Markus Ich verliess Lenz & Staehelin 2011. Angefangen hatte ich als Anwalt im Jahr 2009.

Alex 2011 startete ich mit einem Sommerpraktikum, bevor ich im Folgejahr als Substitut und später als Anwalt zurückkehrte. Während meiner Zeit bei Lenz & Staehelin war ich auch im Ausland. Ich absolvierte ein einjähriges Secondment bei Davis Polk & Wardwell in New York.

Was machst du jetzt?

Alex Seit knapp einem Jahr arbeite ich bei Partners Group in Zug im Bereich Corporate Legal. Im Prinzip ist das eine Stabsstelle, welche der Gruppe angehängt und ein wenig getrennt vom Transaktions- und Strukturierungsteam ist. Der Aufgabenbereich, den ich abdecke, ist sehr breit.

Sandra, wenn ich mich richtig erinnere, hast du während deiner Zeit bei uns ein Secondment, bei der Clariden Leu gemacht.

Sandra Genau, ich war ein halbes Jahr bei der Clariden Leu. Obwohl ich mir zu jenem Zeitpunkt nicht vorstellen konnte, längerfristig dort zu bleiben, haben mich die Bereiche Derivate und strukturierte Produkte sehr interessiert. Nach einem weiteren halben Jahr bei Lenz & Staehelin erhielt ich die Chance, bei der Credit Suisse als Teamleiterin “Legal Structured Products” einzusteigen.

Wie lange bist du bei der Credit Suisse geblieben?

Sandra Ich war vier Jahre bei der CS, bevor ich aus persönlichen Gründen in die Westschweiz zog und bei der FINMA als Abteilungsleiterin im Bereich Asset Management begann. Dort betreute ich Fonds und Institute in diesem Bereich. Bei der FINMA war ich während rund vier Jahren tätig.

Was geschah dann?

Sandra Eines Tages erhielt ich einen Anruf und wurde gefragt, ob ich an einem Verwaltungsratsmandat bei der Walliser Kantonalbank interessiert sei. Ein Wechsel war nur möglich, wenn ich die Anstellung bei der FINMA aufgeben würde. Als FINMA Mitarbeiterin konnte ich nicht gleichzeitig im Verwaltungsrat eines von der FINMA beaufsichtigten Instituts sitzen. Ich hatte aber Lust auf etwas Neues und nahm das Angebot an.

So hat also deine Karriere als Verwaltungsrätin begonnen; diese hat sich in der Zwischenzeit ja weiterentwickelt und heute hast du mehrere VR-Mandate.

Sandra Das stimmt, ein Jahr darauf wurde ich bei Swisscom in den Verwaltungsrat gewählt und Ende 2022 bei Raiffeisen Schweiz. Dies hatte zur Folge, dass ich das VR-Mandat bei der Walliser Kantonalbank aufgeben musste. Mittlerweile nahm ich noch Einsitz in einigen Vorständen und Advisory Boards von Vereinigungen, unter anderem bei SwissVR, einer Vereinigung für Verwaltungsratsmitglieder, beim Europa Forum, einer Dialogplattform zur Pflege der Beziehung zwischen der Schweiz und Europa, und bei CMTA, der Capital Markets and Technology Association.

Wie kommst du zu diesen Mandaten?

Sandra Ich wurde meist von Personen aus meinem Netzwerk angefragt, die mich und meine Arbeit in einem Gremium oder einer anderen Plattform kennengelernt haben. In den meisten Fällen wurde eine Person gesucht, die über Erfahrung in den Bereichen M&A, Asset Management, Legal & Regulatory und zudem bereits über strategische Erfahrung in Verwaltungsräten verfügte. Hier kam mir zugute, dass ich neben der Tätigkeit für eine Grosskanzlei auch bei einer internationalen Bank sowie beim Regulator tätig war. Das Europa Forum ist vom Inhalt her eher politisch und wissenschaftlich ausgerichtet und bildet deswegen eine interessante Ergänzung zu meiner Tätigkeit als Verwaltungsrätin.

Markus, wo zog es dich 2011 nach deinem Weggang von Lenz & Staehelin hin?

Markus Ich ging erst zu Panalpina – damals noch ein kotiertes Schweizer Logistikunternehmen. Ich übernahm dort eine kombinierte Rolle, machte einerseits – wie schon zuvor bei Lenz & Staehelin – Arbeiten im Bereich M&A und war im Legal der Hauptansprechpartner des M&A Teams. Ausserdem war ich auf Stufe Corporate zuständig für die Bereiche Corporate Finance, HR und IT. Gleichzeitig war ich auch Legal Counsel im eigentlichen Transportwesen, zuständig für die Region Mittlerer Osten und Afrika, zu der später noch Russland und die übrigen GUS-Staaten hinzukamen. Geblieben bin ich bei Panalpina bis zur Übernahme der Gesellschaft durch die dänische DSV A/S im Jahr 2019. Als M&A-Verantwortlicher war ich im ganzen Takeover-Prozess eng involviert. Das war eine sehr spannende Zeit.

Dann wurde Panalpina übernommen und in die DSV integriert. Du bist dann also weitergezogen?

Markus Nicht sofort. Ich war anfangs noch in die Integration auf Stufe Corporate am ehemaligen Hauptsitz in Basel involviert. Danach hätte ich in diesem Bereich auch für DSV weiterarbeiten können – dies hätte jedoch einen Umzug nach Kopenhagen verlangt. Zu diesem Zeitpunkt war meine Frau zum zweiten Mal schwanger und wir entschieden uns gegen einen Umzug. Ich entschloss mich, die Industrie ganz zu wechseln.

Du hast dann zu Novartis gewechselt?

Markus Ja, das war ein glücklicher Zufall. Als die Integration bei Panalpina begann, hatte Novartis eine Stelle ausgeschrieben, die fast eins zu eins zu meinem Profil im Corporate Bereich passte. Bei Novartis verantworte ich nun u.a. den rechtlichen Teil der Generalversammlung. Ausserdem bin ich zuständig für alle Fragen im Bereich Corporate Governance und Gesellschaftsrecht allgemein.

Alex, bei dir ist der Wechsel noch nicht so lange her. Was machst du heute?

Alex Bei mir ist das sehr ähnlich wie bei Markus. Meine Position scheint auch vom Bereich her ähnliche Aufgaben zu umfassen. Ich beschäftige mich etwa mit Fragen in den Bereichen Corporate Governance, SIX Kotierung, strategische Gruppenprojekte, Fondsstrukturierungen und mit diversen anderen rechtlichen Themen – das Spektrum ist sehr breit und abwechslungsreich. Unsere kleinen Teams sind regional aufgeteilt und überschaubar. Man merkt, dass Partners Group als SMI-Unternehmen mit weltweit rund 1'900 Mitarbeitenden global gesehen eher ein kleines Unternehmen ist. Der direkte Kontakt zum Management macht den Job sehr spannend.

Wie habt ihr euch in der Zwischenzeit persönlich entwickelt?

Sandra Für mich war der Wechsel von der eher büroorientierten Arbeit in der Kanzlei in die Bankenwelt, in der ich mit hohen Managern verhandelt habe, hin zu den Verwaltungsratsmandaten, bei denen ich viel in der Öffentlichkeit auftrete und oft im Rampenlicht stehe, sicherlich die grösste Veränderung. Das war anfangs ungewohnt und kostete mich eine gewisse Überwindung, aber es macht mir heute sehr viel Spass und ist unglaublich bereichernd.

Markus Die Arbeitsweise in der Rechtsabteilung einer Speditionsfirma ist eine ganz andere als in einer Anwaltskanzlei. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Der Umgang war dann doch eher hemdsärmelig und es brauchte anfangs fast Überwindung einzugestehen, dass innerhalb eines kleines Teams, das für die ganzen Rechtsfragen zuständig ist, das Resultat den eigenen Qualitätsansprüchen vielleicht nur zu 85% genügt und das aber völlig ok ist. Ausserdem musste ich lernen, nein zu sagen. In einer Kanzlei kann man das gegenüber der Klientschaft nicht. Innerhalb eines Unternehmens muss man sich zeitweise auch intern durchsetzen und Anfragen vielleicht auch einmal vorläufig ablehnen, weil sie noch nicht spruchreif sind für die rechtliche Beurteilung. Ausserdem musste ich meinen Horizont erweitern und mich schnell auch auf der “Business-Seite” des Unternehmens zurechtfinden.

Sandra Das ist eine der Kerneigenschaften, die ich von Lenz & Staehelin mitnehmen durfte. Ich hatte während meiner Zeit in der Kanzlei gelernt, mich sehr schnell in neue Gebiete einzuarbeiten. Mit jeder Klientin kam wieder ein neues Gebiet dazu, über welches ich Bescheid wissen musste. Das hat mir in meinen späteren Funktionen sehr geholfen.

Konntet ihr im Verlauf eurer Karriere von den Erfahrungen, die ihr bei uns gemacht habt, profitieren? Und wenn ja, was habt ihr gelernt?

Alex Das kritische Denken, die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu analysieren, über den Tellerrand zu schauen – das habe ich aus meiner Zeit bei Lenz & Staehelin mitgenommen. Das sind sehr hilfreiche Fähigkeiten und das Mitdenken und das Erkennen von Zusammenhängen wird natürlich vom Management sehr geschätzt.

Sandra Sicher das effiziente und genaue Arbeiten. Davon profitiere ich noch heute. Ich habe ein Auge dafür, was wichtig ist und kann mir schnell einen Überblick verschaffen. Ausserdem habe ich auch mein Durchhaltevermögen von meiner Zeit bei Lenz & Staehelin mitgenommen. In meinen jetzigen Tätigkeiten habe ich schon zwei Krisensituationen miterlebt und da braucht es diese Eigenschaft auch.

Alex Ich kann mich dem nur anschliessen. Dieser zusätzliche Effort, auch komplexe Unterlagen kritisch und teilweise minutiös durchzusehen und für das Business den bestmöglichen Einsatz zu leisten, wird auch innerhalb eines Unternehmens überaus geschätzt. Solche Dinge lernt man nicht an der Uni, sondern im Beruf.

Würdet ihr Studierenden auch heute noch empfehlen, in einer Grosskanzlei den Berufseinstieg zu wagen?

Alex Ganz klar, ja. Bei meinem jetzigen Arbeitgeber gäbe es wohl gar keine Stelle, die geeignet wäre, um direkt nach dem Studium einzusteigen. Man wird vom Business resp. den Anfragen teilweise überrollt und wäre überfordert. Es braucht sicherlich einen gewissen Erfahrungsschatz, um Arbeiten richtig einschätzen, priorisieren und auch Entscheidungen treffen zu können. Ich empfehle jedem, der gerne “inhouse” arbeiten möchte, zuerst in einer Grosskanzlei zu starten und dort ein paar Jahre zu arbeiten.

Sandra Ich sehe das gleich. Es fehlt ansonsten an einer Grundqualität, die es braucht, um weiterzukommen. Die potentielle neue Arbeitgeberin, die im CV den Namen Lenz & Staehelin oder den Namen einer anderen grossen Kanzlei liest, kann bereits von einer sehr soliden Grundqualität ausgehen.

Markus Das stimmt. Und wenn das Arbeiten in einer Grosskanzlei allenfalls für jemanden dann doch nicht das richtige ist, stehen einem ganz viele Türen offen.

Was ist euch aus eurer Zeit bei Lenz & Staehelin besonders in Erinnerung geblieben?

Alex Fachlich gesehen habe ich die Kontakte mit den diversen Klientinnen und Klienten in sehr guter Erinnerung, die Gespräche und Diskussionen, die man während einer Transaktion führen durfte. Das waren sehr bereichernde Begegnungen und neben den meist sehr spannenden Transaktionen ein Highlight für mich. Auf der persönlichen Ebene schätzte ich die teamübergreifende Zusammenarbeit und den Zusammenhalt untereinander.

Sandra Was ich immer wieder gerne erzähle sind die Geschichten über die diversen Due Diligences, bei denen ich dabei sein konnte. Zu jener Zeit gab es noch keine Online-Datenräume. Um die Unterlagen einer Gesellschaft zu prüfen, sass man für mehrere Tage in einen Datenraum, der sich irgendwo in der Schweiz – meist am Sitz der Gesellschaft – befand. Zusammen mit Arbeitskollegen aus den verschiedenen Fachbereichen grübelten wir tagelang über den Unterlagen und arbeiteten nach der Rückkehr in die Kanzlei an hundertseitigen Reports. Ich fand die enge tage- und oftmals auch nächtelange Zusammenarbeit an einem gemeinsamen Projekt sehr spannend. Wir haben uns am Abend Essen ins Büro bestellt, zusammen gegessen und wieder bis spät in die Nacht gearbeitet. Der Zusammenhalt und Teamgeist, der daraus entstanden ist, ist einmalig und hat mich bis heute geprägt. Die Verbindung zu meinen damaligen Arbeitskollegen ist auch heute noch da.

Markus Die Verbundenheit mit dem Unternehmen ist immer geblieben, obwohl ich nur etwas mehr als zwei Jahre hier gearbeitet habe und das auch schon 12 Jahre her ist. Ich besuche auch heute noch gerne alle Anlässe, zu denen ich von Lenz & Staehelin eingeladen werde. Die Kanzlei ist und bleibt zu einem gewissen Grad ein Teil von mir.

Noch eine letzte Frage: Was erwartet ihr von euren externen Anwält:innen?

Alex In den Fällen, in denen wir externe Anwält:innen mandatieren, erwarten wir in erster Linie, dass sie zeitnah reagieren und prägnante und businessfreundliche Beratung bieten. Ausserdem muss auch die Zusammenarbeit auf menschlicher Ebene funktionieren. Kurz zusammengefasst erwarten wir einen Top-Service und ein überzeugendes Auftreten.

Sandra Ich finde, das ist situationsabhängig. Teilweise benötigen wir eine rechtliche Beratung, aufgrund derer wir uns dann entscheiden, wie wir weiter vorgehen möchten. Manchmal ist es aber auch so, dass die rechtliche Beratung nach einer getroffenen Entscheidung eingeholt wird und man sich absichern möchte, ob richtig entschieden wurde. Der externe Berater muss ein gewisses Gespür dafür haben, in welcher Form und in welcher Ausführlichkeit eine Antwort erwartet wird. Ausserdem sollte die externe Anwältin oder der externe Anwalt vorausschauend sein und mögliche weitere Probleme rechtzeitig erkennen.

Markus Das ist ganz wichtig. Situationsbedingtes Handeln und eine strukturierte Denkweise muss vorausgesetzt werden können. Langwierige Abhandlungen sind nicht gewünscht. Die rechtlichen Erklärungen müssen auch für Nichtjuristen verständlich sein.

Vielen Dank, Sandra, Markus und Alex für das äusserst spannende und offene Gespräch.

 

 

Sandra Lathion-Zweifel arbeitete von 2003 bis 2010 erst als Substitutin und dann als Rechtsanwältin bei Lenz & Staehelin. Mittlerweile ist sie in verschiedenen Verwaltungsratsräten und Advisory Boards, u.a. bei der Swisscom und der Raiffeisen Schweiz, tätig.

Markus Schaffner war nach seinen Volontariaten bei einer Basler Anwaltskanzlei und dem Kantonsgericht Basel-Landschaft von 2009 bis 2011 für rund zwei Jahre als Rechtsanwalt bei Lenz & Staehelin tätig und ist nun Senior Legal Counsel bei Novartis.

Alex Wille verliess Lenz & Staehelin im Sommer 2022, nachdem er seit 2012 erst als Sommerpraktikant und Substitut und dann als Rechtsanwalt bei uns tätig war. Während seiner Zeit bei Lenz & Staehelin absolvierte er ein Secondment bei Davis Polk & Wardwell in New York. Mittlerweile ist Alex als Senior Legal Counsel bei Partners Group tätig.

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Alex Wille, Partners Group

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Sandra Lathion-Zweifel, VR Swisscom & Raiffeisen Schweiz

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Markus Schaffner, Novartis

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